7. Reise

Neckar - Tour 2007

 

Die Wetteraussichten für unsere Radel- Woche sind alles andere als rosig, aber die Zimmer sind gebucht, die Zugtickets bezahlt es gibt kein Zurück.
Zum Glück haben wir Sigi dabei. Er ist Optimist von Beruf. Er hat keine Bedenken, denn er kann am besonderen Grau der Wolken erkennen, dass gleich die Sonne wieder scheint.
Unsere gefahrene Strecke beträgt ca. 322 Km
Leider brachte uns die fehlende oder unzureichende Beschilderung des Radweges
trotz  "Bikeline" Buch vor allem in den Städten oft zur Verzweiflung.
Um optimal zu fahren müsste man die Radwegebeschreibung auswendig lernen oder mit Navigator fahren.


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1.Tag :
Bahnfahrt von Mainz nach Schwenningen 
Dauer 4:16 + zwei Stunden Verspätung
Schwenningen - Oberndorf 49,5 Km 

Wir starten mit dem Zug von Mainz.
Sophie und Sigi kommen von Lahnstein,
aber leider hat ihre Bahn Verspätung und so bekommen wir erst um 10:13 Anschluss nach Karlsruhe.
Was tun? Frühstücken!
Wir hocken wie die Hühner auf Drahtsesseln vor Mc Donalds vespern unsere Brote, quatschen dummes Zeug und  lassen die Zeit verstreichen.
So stellt man sich den Beginn einer Tour eher nicht vor.
Der Zug ist pünktlich, aber es wollen noch mehr Radler mit  und es gibt Gedränge. Mit der deutschen Bahn kann man  meistens eine aufregende Fahrt erleben.
Vor allem sind Verspätungen einfach im Fahrtpreis enthalten. In Villingen steigen wir noch mal um nach Schwenningen.
Wir suchen die Neckarquelle, kurzes Foto -
 

Frühstück für die Langeweile


und im Nieselregen und schnell weiter, da es galt die zwei Stunden Frühstückspause irgendwie auf zu holen. Es regnet immer wieder mal. In Rottweil schüttet es wie aus Kübeln, und wir flüchten in ein Bushäuschen
Was tun? Es ist schon relativ spät und wir haben gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft. Zu unserem Glück haben wir bei Metzger Dölker in Oberndorf gebucht und er holt uns eine halbe Stunde später ab. Durchnässt und und frierend freuen wir uns auf eine heisse Dusche und ein nettes Abendessen.
Beides gab es in der Oberstadt von Oberndorf. Unsere Kleider wurden  in den Trockenraum gebracht und die Räder in die Garage.

tropfnass

2.Tag: Oberndorf - Rottenburg 63 Km
 
Wir schliefen wunderbar und das Frühstück war Spitze.
Um 9:45 starten wir bei Platterregen und 9°C Außentemperatur.
Kurze Irritation durch die Stadt bis der Radweg gefunden ist.
Der Regen hört auf und die Fahrt geht vorbei an Wald und Feld und durch viele kleine Ortschaften immer bergauf und bergab. 
Metzgerei Dölker in Oberndorf bekommt einen lachenden Mond!
 
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In Horb essen wir Mittag im "El Molino",     Mühlgäßle 13, empfehlenswert. Erwin speist "Pizza - Frutti di Mare" und ist begeistert.
Wie saget Schwoba:
"Liaba meh esse, als z´wenig  trinke." 
Wir übernachten heute in Rottenburg und laut Aussage Sigi sind es noch 15 Km.
Wenn es jetzt nicht mehr regnet sind  wir mehr als zufrieden.

Horb

Marktplatz Rottenburg mit Dom St. Martin

Wir finden unser Privatquartier in Rottenburg bei Familie Hofmeister in der Pfeiferstraße, und bringen Räder und Gepäck vor den nächsten Regentropfen ins Trockne. Wir logieren in der Dachwohnung, und teilen uns Dusche und Toilette.
Erwin und ich nehmen das Zimmer mit dem kuscheligen Übereckbett ( wirklich nur für keine Menschen geeignet). Sophie und Sigi bekommen das Schlafsofa im anderen Raum, aber für den Herren der Schöpfung fehlen einfach 10 cm zum perfekten Schlaf.
Die Nacht war recht angenehm und erholsam Am Morgen steht schon das Frühstück vor unserer Türe und wir tafeln im gemeinsamen Wintergarten. So gestärkt starten wir und finden mit genauer Info des Hausherren  den Radweg sehr schnell.
 

3.Tag: Rottenburg - Nürtingen 53 Km
                     
Wir erreichen die Universitätsstadt Tübingen und es fängt an in Strömen  zu gießen. So stehen wir am mit Rädern übersäten Bahnhofseingang.
Totaler Frust macht sich breit, wir wollten doch die schöne Altstadt anschauen.
Doch wir haben Glück uns begegnet ein "Engel" in Form einer Mitarbeiterin der Bahnhofsmission. Sie sieht unsere traurigen  Gesichter und bietet uns ihre persönliche Hilfe an.
Wir dürfen unser Gepäck 3 Stunden in ihrem Büro deponieren.
So können wir unsere Räder anschliessen und zu Fuss die Altstadt erkunden.
Welch ein Luxus!

Bahnhof Tübingen

Rathaus Tübingen

Tübingen

Das wäre wirklich schade gewesen diese schöne Stadt nicht anzuschauen.
Mit einer Spende dankten wir. Grosses Lob an die nette Dame der Bahnhofsmission mit unserem Smiley

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Riegersches Haus am Markt Nürtingen

Um 14°° Uhr geht es weiter, vorbei an Lustnau, Kirchentellinsfurt, Pliezhausen, Mittelstadt.
Immer wieder mal Steigungen und den richtigen Weg finden, wenn es an einer Gabelung gerade mal keine Schilder hat.
Ab Neckartenzlingen sind es laut Straßenschild noch 11 Km bis Nürtingen. Hier wollen wir heute in der "Siedlerstube" übernachten. Aber wir fahren wieder mal an der viel befahrenen Landesstrasse entlang, das nervt nicht nur uns, sondern auch die Autofahrer.
In Nürtingen angekommen finden wir die Siedlerstube, sie liegt an einer Hauptstrasse, also Durchgangsverkehr. Die sensiblen Frauen ahnen schon was sie des Nachts erwartet.
Zum Abendessen laufen wir in die Altstadt und wählen den  Nürtinger - Keller, Schloßgartenstr.12.
Eine steile Treppe führt ins Lokal hinab, und unsere Augen müssen sich erst   an die Dunkelheit in dem Gewölbe gewöhnen, die Einrichtung ist sehr rustikal aber gemütlich, das Essen lecker und die Bedienung erstklassig.
Kunst und Kultur
 

4.Tag: Nürtingen - Marbach 69 Km
Bei uns war die Nacht eher schlaflos, als erholsam, allerdings hatten wir gehofft, Sophie und Sigi hätten wenigstens einigermassen geschlafen. Fehlanzeige!
Selbes Ergebnis wie bei uns: Frau schläft nicht, dreht sich hin und her, Mann  schläft auch nicht, da Frau sich die halbe Nacht hin und her dreht.
Da uns das Frühstück auch nicht versöhnen kann, fahren wir wortkarg erst mal Richtung Plochingen. Hier gibt es guten Espresso und die Welt sieht schon  wieder besser aus.
 

In Esslingen sitzen wir, man höre und
staune, auf dem Marktplatz im Wienerwald bei SONNENSCHEIN
Die schöne Altstadt sehen wir uns auch noch an. Das  Glockenspiel vom Rathausturm hörten wir schon bei unserer Ankunft.
Der Nachmittag zieht sich, wie Kaugummi und die Abstände zwischen den Trinkpausen werden bei mir immer kürzer.
Dann stehen wir wieder mal ratlos im Park von Bad Cannstadt und stellen  nach Karten und Schildervergleich fest: "Es sind noch 37 Km bis nach  Marbach." Mir wird es richtig mulmig, da es mir heute sehr schwer fällt die  Leistung zu bringen.  Endlich ist es geschafft und wir erreichen,  das letzte Stück schiebend,  die Schillerstadt Marbach.
Zu unserer Begrüßung gießt es erst mal  heftig, und die Hausdame ist uns mit dem Gepäck und den Rädern behilflich.
Wir treffen uns sofort zum Nachtmahl, da wir befürchten nach dem Duschen stehenden Fußes einzuschlafen.
Wir Frauen gehen wenig später wirklich in die Koje, die Männer treffen sich noch mal, um sich die Stadt zu betrachten, denn jetzt scheint wieder die Sonne.
Uns Mädels ist das ziemlich egal, der "Date" mit unserer Matratze  ist uns heute wichtiger. Verpasster Schlaf muss nachgeholt werden.

Rathaus Esslingen

Schillerhaus Marbach

 5.Tag:
Marbach - Bad Friedrichshall 66 Km
              
Es geht nichts über guten Nachtschlaf. Erholt und guter Laune begeben wir uns in den Frühstücksraum. Es ist 8°°Uhr und die be-
dienende Dame leider kein Aushängeschild für den Schiller - Hof.
Um 9°°Uhr starten wir ohne Regen und da das Morgenmahl eher karg war, haben wir um 12:30 Uhr schon wieder Hunger.
In Laufen treffen wir vier ältere "Allwetterradler". Sie kennen sich aus,
 und eh wir uns versehen landen wir mit ihnen im "Dächle".
             

"Do müsset ihr nah, des müsset ihr g´seh habe. Pizza kennet ihr jo morge noch esse!" 
,so die Aussage des einen Radlers.
Das Lokal hätten wir alleine nie gefunden.

Ja, eine gute Entscheidung. Hier gibt es Riesenschnitzel, die man sich teilen kann und trotzdem satt wird.
Alle sind begeistert. Um 14°° Uhr geht es weiter noch etwas lustlos nach dem guten Essen.

Dächle

Heilbronn

In Heilbronn auf dem Marktplatz machen wir Kaffeepause und ich überlege das letzte Stück mit der Bahn zu fahren.
Das grantige Gesicht von Erwin sagt mir, ich kann es vergessen und so lasse ich mich überreden und strampele tapfer weiter.
Ich muss mir selbst gut zureden, gab es heute morgen bei der ersten Pause schon einen Lacher auf meine Kosten.
Erwin zog seine langen Radlerhosen aus und Sigi meinte: "Woher hast du die verkrusteten braunen Streifen am Hosenbein?" O - Ton Erwin:" Die sind von den Schnecken, die während der Fahrt  dort hinauf kriechen, da ich ja hinter Karin so langsam fahren muss."
Als Ausgleich gab es am Abend ein Lob , da ich durchgehalten habe.

In Jagstfeld logieren wir in der "Schönen Aussicht" und nachdem Abendessen wollten wir eigentlich noch eine Ortsrunde drehen, aber es regnet wieder und so geht nur Erwin los und ist bald zurück. Nach den Nachrichten ist Schicht im Schacht, denn Morgen ist der vorletzte Radeltag.

Jagstfeld

Regen zu Abfahrt

6.Tag:
Bad Friedrichshall - Eberbach 45,5 Km

        
Nach dem Frühstück erwartet uns Regen, wie so oft in den vergangenen Tagen. So verpackt fahren wir 21 Km und sind dann so nass, dass sogar
Sigi überlegt, ob wir nicht ein Stück mit dem Zug fahren sollen.
Hier in Neckarelz finden wir in der "Destille Eisenbahn" in der Nähe des Bahnhofs ein trockenes Plätzchen. Zunächst bringen wir mittels Fön unsere Klamotten wieder auf Wohlfühlniveau und dann wird, na, was schon - Mittag gemacht.
Der Wirt hatte sicher Mitleid mit uns nassen Katzen und  spendierte ein Stück frischen Käsekuchen zum Kakao. Nach dem Essen wechselt der Regen zum Sonnenschein und der Rest der Strecke wird
geradelt. Wir sind ja auf einer Radtour!

In Eberbach angekommen verlieren wir uns in den engen Gassen uns treffen uns erst vor dem Hotel wieder.
Na, das gibt wieder eine Mängelrüge für mich, von wegen auf die Mannschaft achten, aber ich muss heute einfach kontern. Zu meinem Glück ist der Rest der Truppe teamfähig und wir vertragen uns wieder.
Heute Abend wird Sigi endlich eine Pizza bekommen. Entgegen dem Bauchgefühl der Frauen gehen wir in die einzige  Pizzeria von Eberbach und haben ein super Abendessen. Wie sagt Sophie, wenn sie ein Lob an die Küche ausspricht:" Alles frisch gemacht !" Zum Abschluss noch ein Bällchen Mocca - Eis in der Waffel, um später mit dem Waffelrest etwas Futter für die Schwäne zu haben. Irgendwie hat das schon Tradition bei uns.

7.Tag: Eberbach - Heidelberg 25,8 Km

Wir schlafen alle entspannt im "Kettenboot" dem antiquierten, einstigen Nobelhotel, bei dem die Zeitrechnung 1975 stehen blieb. Das Frühstück wird, wie in solchen  Häusern vielleicht üblich, mit kühler Distanz serviert und die Milch zum Kaffee ist  leicht bis mittel sauer. - Wir sind sehr nachsichtig heute morgen, denn die  selbstgemachte Erdbeermarmelade schmeckt super und reisst alles wieder heraus.
Na, ja, als Radler wäre man wohl besser im "Karpfen" abgestiegen, egal, wir waren  zufrieden.
Es sind noch 25 Km bis nach Neckargerach, ab hier wollen wir aufs Schiff umsteigen, um so entspannt in Heidelberg anzukommen. Das haben wir uns verdient.
Die Bootstour ist einsame Spitze, denn vom Schiff aus sieht man eine Menge.

KStJohannes

Hirschhorn

Auf den letzten Kilometern der Tour sehen wir am anderen Flussufer die Stadt Hirschhorn mit gleichnamiger Burg. Sie wird auch Perle des Neckartals genannt .Seit 1960 anerkannter Luftkurort, ab 1985 wurde mit der Altstadtsanierung begonnen.-
Schade, dass wir zur Besichtigung keine Zeit haben, aber die noch grössere Stadt Heidelberg hat uns schon in ihren Bann gezogen. In Neckargerach steigen wir aufs Schiff um und in einer Stunde sind wir da. “Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren...,” summe ich leise - “Sei jetzt still, wir müssen doch erst mal ankommen.”

Vom Schiffsanleger fahren wir Richtung Altstadt die Tortürme der "alten
Brücke" immer im Blick, denn dort ist unser Hotel der "goldene Hecht".
Das mit der Fahrradgarage im Hotel war ein Missverständnis und nun beginnt
die Suche nach einem passenden Radparkplatz für die Nacht. Zwei Räder
passen in den Hoteleingang und zwei müssen wir in der Nähe des Hauses
anschließen. Wohl ist uns bei dem Gedanken nicht, aber es gibt keine
andere Möglichkeit.
Wir essen in der "Trattoria Toscana" am Marktplatz 1 und genießen, 
während wir auf unser Essen warten, die vorbei laufenden Leute. Alle  Nationen sind zu beobachten. Sigi hat natürlich wieder die 
Idee des Tages:
"Man müsste einen Drehstuhl haben, um die Menschen zuerst von vorne, und dann auch noch von hinten sehen zu können."

Heidelberg

Heidelberg

Endlich schlendern wir noch durch die Stadt, in der man angeblich sein Herz verlieren soll.
Wir besuchen das Brauhaus Vetter und sitzen noch eine Weile auf dem  Marktplatz und lassen uns von dem südlichen Flair einhüllen.
Ein "Absacker" im goldenen Hecht muss auch noch sein und ich probiere das Heidelberger Dunkelbier. Es ist schon nach 23°° Uhr als wir endlich schlafen gehen.
 

7.Tag:
Fahrt zum Bahnhof Heidelberg und Heimreise 


Das Frühstück im Hotel goldener Hecht findet in einem viel zu engen, mit Spiegeln verkleideten Eckraum auf der zweiten Etage statt. Dieses Arrangement löst bei uns Frauen Unbehagen aus und wir wollen so schnell als möglich hier heraus.
Was tun in der noch verbleibenden Zeit? Ein kurzer Stadtrundgang wäre schön, und um 12°° Uhr packen wir die Räder  und fahren zum Bahnhof Heidelberg.

Heidelberger Schloss

Heimfahrt Heidelb

Unser Zug nach Mainz kommt pünktlich, und Jürgen unser Fahrdienst ist schon informiert. Wir sind gerade los gefahren,  als es draussen schon wieder heftig giesst.
Über den vorbei fliegenden Wäldern des Odenwaldes hängen dicke Regenwolken.
Das Wetter ist genau so, wie vor einer Woche bei unserem Start in Schwenningen.
Man kann nicht immer Glück haben und jeden Tag Sonnenschein.
Es hat uns trotzdem viel Spaß gemacht, und wir möchten die  Erfahrungen nicht missen.
Bald werden Sophie und Sigi in ihren Zug nach Koblenz steigen und dann, ist unsere Tour schon wieder passé.
 

 

aktualisiert am 25.11.2008